Ein stürmischer Sonntag

 

Ein Mann und eine Frau versuchen im Gespräch der Wahrheit, dem, was mit einem kleinen Jungen geschehen ist, ein Stück näher zu kommen. Das Gespräch ist schwierig: „Etwas ist aus dem Gleis geraten. Ist zwischen uns. Da kann ich nicht weitermachen. So tun, als wäre nichts geschehen.“


Die Frau lebt allein. Eine zufällige Bekanntschaft mit einem Nachbarsjungen bringt ihr Leben durcheinander. Seine Spontanität und Anhänglichkeit überschreitet ihre Grenzen. Durch die Begegnung wird sie an ihre eigene Kindheit erinnert, die durch das Gefühl dominiert war, ungeliebt und unerwünscht zu sein.


„Menschen waren mir von jeher irgendwie unheimlich, insbesondere Kinder.“


„Wieso gerade Kinder?“


„Die sind am schwierigsten zu durchschauen. Sie haben ihre eigenen Gesetze. Ihre Unberechenbarkeit ist mir ein Greul. Ich habe auch nie geheiratet. Ich würde es nicht ertragen, jemand anderen in meiner Wohnung zu haben. Es gäbe … eine fremde Bewegung im Raum. Mit der könnte ich nicht umgehen.“


Aus einzelnen Mosaiksteinen setzt sich dem Zuschauer langsam ein Bild  von dem, was geschehen ist, zusammen.


Mit „Ein stürmischer Sonntag“  ist der Schriftstellerin und Theaterautorin Ronnith Neumann eine eindringliche und ausdrucksstarke Schilderung eines Menschen gelungen, der sich von seinen Mitmenschen aus Angst vor Verletzungen zurückgezogen hat und seinen so geschaffenen Schutzraum als seinen einzig möglichen Lebensraum verteidigen muss.


 „Der Sonntag ist mein freier Tag von der Menschheit.“

 

Aus der Ankündigung zur Uraufführung am 6.10.2000,  Kammerspiele Paderborn, und Westfalen-Blatt Nr.225 vom 27. September 2000.