Mord-Spiel

„Einzelne Szenen und Texte, die sich wie eine Collage zu einem eindringlichen Ganzen zusammenfügen. Die verschiedenen Zeitebenen werden verwoben zu einem vielschichtigen Gesamtbild, das Bogen schlägt von der Nazizeit zur Gegenwart, von Antisemitismus zur Ausländerfeindlichkeit, vom persönlichen Schicksal zum Gang der Geschichte. Das Geschehen am 4. November 1944, an dem die Jüdin Franziska Spiegel von SS-Soldaten grausam ermordet wurde, beleuchtet alle Fragen um Schuld und Mitschuld, um Feigheit und menschliches Versagen, um mangelnde Solidarität und Zivilcourage damals und heute.
Dabei bezieht das unter die Haut gehende Stück zwar eindeutig Stellung, entlarvt und klagt an, vermeidet aber jedes Klischee, jede pauschale Schuldzuweisung  und vermag so vielleicht mehr aufrütteln und zum Nachdenken zwingen als manch anderer Versuch ‚wider das Vergessen‘.“
Die Neckarquelle, Nr. 32 vom 9. Februar 1998

„Das ‚Stück über die Gewalt‘ der jüdischen Autorin Ronnith Neumann spielt noch auf einer dritten Zeitebene, der Gegenwart. Schnell wird deutlich, dass Verdrängung, Vertuschung und Schuldzuweisungen noch heute vielfach eine Auseinandersetzung mit der belastenden Vergangenheit verhindern. Einer Vergangenheit, deren ‚Bewältigung‘ im übrigen nicht möglich ist, schon gar nicht kollektiv.
‚Mord-Spiel‘ ist keine Dokumentation über die Nazizeit, diese ist nur Ausgangspunkt für die Reflektion über Gewalt und Gewaltbereitschaft und den Umgang damit auch in unserer Gesellschaft. Ein ernstes, ein leider aktuelles Thema.“
Annemarie Zwick, Zeitschrift Tangente, Theater, Nr. 23, März 1998