Heimkehr in die Fremde

 

„Man spürt, dass dieser Roman autobiographisch ist, zum Beispiel an der Zartheit der Sprache, von der dennoch eine Kraft ausgeht, die den Leser und Zuhörer zum Mitfühlen, Mitleiden antreibt. Ein bitteres Buch, das aber auch Hoffnung lässt.“  
Dieter Mank, Neu-Isenburger Anzeigenblatt vom 10. Februar 1984

„Mich hat zutiefst berührt, wie Sie Klage und Hoffnung miteinander verbinden, das heißt die große Auseinandersetzung über Schuld und gewagtes Zutrauen in sich selbst führen. Einmal mehr zeigt es sich, dass das biographische Element doch sehr viel für sich hat, vieles wird unwiderlegbar, vor allem die Trauer.“
Siegfried Lenz, Börsenblatt, Frankfurt/Main vom 26. November 1985

„Ein differenzierend und intelligent geschriebenes Buch.“
Irmgard Hermanns, Ekz-Informationsdienst, 20. Dezember 1985

„Ebenso verblüffende wie ergreifende Erlebnisse und Erkenntnisse werden originell und souverän im Umgang mit einer Sprache dargeboten, die ja nicht ‚Muttersprache‘ ist. Ronnith Neumanns betont ‚bewusstes‘ Leben, ihre Sensibilität und Nachdenklichkeit erklären den Reiz der Ausstrahlung dieser jungen Künstlerin.“
Renate Reinhold, Deutsch-Israelische Gesellschaft, 1985

„Und da muss ich zum Schluss noch ganz kurz sagen, wie Ronnith Neumann vorgeht, um aus einer Ansammlung von Erlebnisberichten und der Äußerung persönlicher Empfindungen einen Roman zu machen, den man ohne abzusetzen liest: Sie arbeitet mit Schlaglichtern, sie greift immer wieder zurück in die Kindheit, ist mal in Israel, mal in der Bundesrepublik, mal auf der Reise, mal damals, als sie mit den Eltern das Land verließ, in dem sie geboren wurde, mal im Jet, der sie in wenigen Stunden von dem einen ins andere Land trägt. Nicht wahllos das Ganze, sondern alles eng verknüpft miteinander durch dieselbe Thematik, dieselbe Problematik, dieselbe Empfindung.“
Nikolai Huebner, NDR 2, Buchtipp, 9. Januar 1986

„Ein nachdenkliches Buch, das die nach dem Krieg Geborenen fragt: unterscheiden sich Eure Vorstellungen wirklich von denen der Menschen seinerzeit? Der Leser wird aufgefordert, das Vergangene nicht wieder zu verdrängen, sondern zu verarbeiten, so dass ein Miteinander von Juden und Nichtjuden in Deutschland trotz der belastenden Vergangenheit möglich wird. Ein Buch, das viel Diskussionsstoff liefert.“
Abteilung Jugendliteratur und Medien in der GEW, Düsseldorf, 1986
 
„Mit der eindringlichen Kraft ihrer ungewöhnlichen Sprache, der deutschen Sprache, die nicht einmal ihre Muttersprache ist im herkömmlichen Sinne, beschreibt Ronnith Neumann ihre ambivalenten Gefühle. Sie vermittelt uns hautnah israelischen Alltag, Schönheiten, Außergewöhnliches und Wahrheiten, wie sie sie nach der Rückkehr ins Land der Kindheit mit distanzierter Beobachterbrille entdeckt.
Sprachlich balanciert Ronnith Neumann gekonnt zwischen saloppen Alltagsdialogen und kompromisslos harten Wahrheiten. Ein erregendes Buch, das Verständnis fordert und fördert, das den Leser fesselt und zugleich nachdenklich macht.“
DIG Information aus Hamburg Nr. 1, vom 24. Januar 1986

„Fast beiläufig wird der Leser, durch die Erinnerungen der Autorin und durch ihre mannigfaltigen Begegnungen und Erlebnisse, mit zahlreichen Problemen konfrontiert, die jüdisches Selbstverständnis und die Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden noch immer belasten. Aber auch vor quälenden Selbstbefragungen scheut Ronnith Neumann nicht zurück: ‚Manchmal denke ich, dass wir selber es sind, die dieses Außenseitertum am meisten brauchen.‘
‚Heimkehr in die Fremde‘ ist ein ehrliches und ein gut erzähltes Buch, das nachdenklich macht und viele Fragen an den Leser weitergibt.“
Ursula Homann, Allgemeine jüdische Wochenzeitung, Sonderausgabe 40 Jahre, 16. Mai 1986

„Eine Reise in die Vergangenheit, in ihre Kindheit und Jugend … wurde eine ‚Heimkehr in die Fremde‘ … ‚Zu Hause in Israel oder zu Hause in Deutschland?‘
Es liegt auf der Hand, dass diese Frage zwangsläufig zu einer Auseinandersetzung führt mit der jüngeren deutschen Vergangenheit, der Zeit des Nationalsozialismus, aber auch mit den aktuellen neofaschistischen Tendenzen in der heutigen Bundesrepublik, die ihre aufmerksamen israelischen Gesprächspartner so einschätzen:
‚Diese Tendenz nach rechts in Deutschland, darin liegt die Gefahr, es sind kleine Anfänge, heute noch im Brutkasten, gewiss, aber war es damals nicht ebenso? Keiner nahm es ernst, bis die braune Brut flügge geworden, dem Brutkasten entschlüpft, alles um sich herum zertrat.‘
Trotz ihrer wehmütigen, gefühlsträchtigen Kindheitserinnerungen macht Ronnith Neumann jedoch nicht den Fehler, blind zu sein gegenüber den Missständen in dem Land, das ihre Heimat war in den ersten zehn Jahren ihres Lebens.
Ronnith Neumann hat mit ihrer Heimatsuche, ihrem Hin- und Hergerissensein zwischen Israel und Deutschland, in das sie zurückkehrt, mit ihrem Konflikt zwischen jüdischer und deutscher Identität einen wichtigen autobiografischen Roman geschrieben, der Anlass gibt zum Nachdenken über das Verhältnis Deutschland – Israel und über das zwischen Deutschen und Juden.“
Helga Rothhämel, WDR 1, Echo West  -  Buchtipp, 19. Juli 1986