Ein stürmischer Sonntag

„Der Höhepunkt der ‚Nacht der Poeten‘ war eine spannende Kurzgeschichte von Ronnith Neumann über eine alternde und einsame Frau, die die Vergänglichkeit des Lebens erst erkennt, als ihr die Zeit persönlich begegnet.“
WAZ  zur „Nacht der Poeten“ in Essen, 24. Januar 1994

„Die Schriftstellerin Ronnith Neumann geht bei ihrem Schaffen eigene Wege, lässt sich in keine Tradition einordnen.
Ronnith Neumann beleuchtet das Thema Gewalt niemals grell; sie lenkt das Augenmerk des Lesers auf atmosphärische Details oder auf dramatisch gefärbte Dialoge; tragische Handlungshöhepunkte verlagert sie in eine Stille, die unter die Haut geht.
Ronnith Neumann ist eine vielseitige Schriftstellerin, die durch ihre außerordentlich lebendige Vortragsweise gleich von Anfang an das Publikum in den Bann zog.
Zum Abschluss dieser durchweg spannenden Lesung gab sie noch eine Kostprobe ihres satirischen Bisses. Diese lebendige Lesung war eine literarische Delikatesse.“
Westfälische Rundschau zur Lesung in der Stadtbücherei Lüdenscheid, 12. November 1994

„Neumann verwebt in ihren Erzählungen politisches Geschehen mit subjektiver Betroffenheit und surrealer Fiktion. Die Frage der Identität wird zum Brennpunkt. Mit feinen Beobachtungen kleiner Details gelingt ihr eine atmosphärisch-ausdrucksstarke Zeichnung.
Bei den beunruhigenden Themen, mit denen Ronnith Neumann konfrontiert, hat die Schriftstellerin den Humor in ihren Erzählungen nicht außer acht gelassen. Mit einer bissigen Satire karikiert sie eine Frau, die vor lauter Lust auf Schweinefleisch sich selbst in ein Schwein verwandelt.“
Neue Westfälische vom 17. März 1995

„Alltagserfahrungen und  Beobachtungen, frech und unsentimental aufbereitet.“
Westfälisches Volksblatt vom 12. Dezember 1996

„Ronnith Neumanns Texte handeln von Konflikten und Auseinandersetzungen, beschreiben unverträgliche Um- und Zustände und fordern den Leser zum Nachdenken und Innehalten auf. Vor allem die Erzählung ‚Ein stürmischer Sonntag‘  zeigt ihr literarisches Können, ihre Fähigkeit, Figuren so von innen heraus zu entwickeln, dass sie einzigartig und doch exemplarisch werden.
Der einsame Zustand ihrer Protagonistin, ihr graues, unaufregendes und bequemes Leben, das Festhalten an Gewohnheiten, Sicherheit und Ordnungs-versprechenden Alltags- und Sonntagsritualen, die Angst und Flucht vor der Liebe, der Berührung mit Anderen, der versteckte Hass und die verdrängten Aggressionen übertragen sich so auf den Leser, dass man fürchtet, schon vielen Menschen dieses Typs begegnet zu sein.“
Heidemarie Ott, zur Lesung im Literaturzentrum / Literaturhaus Hamburg, 12. Februar 1997

„In ihrem spannenden Erzählband entwirft sie atmosphärisch beklemmende Bilder, schwebend zwischen Realität und phantastischer Zukunftsvision, zwischen Surrealem und grotesker Satire. In ‚Container Ghetto‘, einer fiktiven Geschichte vor erschreckend realem Hintergrund, verlagert Ronnith Neumann die Horrorbilder der NS-Vergangenheit in die Jetztzeit. Die Kriegsspiele einer gelangweilten Computergeneration werden brutale Wirklichkeit. „Gehn ‘n bisschen Stress machen, ‘n paar Container zünden und so.“ Eine Geschichte, die eine Stellungnahme provoziert – nicht zuletzt auch zu unserer gegenwärtigen Situation zunehmender Flüchtlingsströme und Fremdenfeindlichkeit.
Ronnith Neumanns Geschichten sind nicht immer so konkret fassbar; vielmehr wendet sie sich dem Rätselhaften und Unheimlichen zu. Das Phantastische und Groteske als literarische Mittel scheinen ganz dazu geschaffen, die Wirklichkeit zu entlarven.
Ronnith Neumann weiß ihre Erzählungen gut aufzubauen; immer wieder bricht ein sorgsam arrangiertes Sonntagsidyll kartenhausähnlich zusammen, erweist sich die Ruhe als ‚Ruhe vor dem Sturm‘. Abgründiges, die Perversion einer Liebe, steht beispielsweise im Vordergrund der Titelgeschichte. In das freundschaftliche Verhältnis einer Frau zu einem Kind nistet sich unmerklich das Böse ein, gewinnt Oberhand mit süßlicher Schwere, hinterlässt zunächst nur ein Gefühl des Schauderns, eine Ahnung …
‚Ein stürmischer Sonntag‘ stellt ein breites Spektrum der Schriftstellerin Ronnith Neumann vor. Ihre Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Gegenwart sowie ihre thematisierte Identitätssuche verleihen dem Genre des Phantastischen tiefgründigen Hintergrund.“
Ann-Britta Dohle, Neue Westfälische vom 18. Februar 1997

„Das Spektrum Ronnith Neumanns reicht von alptraumatischen Zukunftsvisionen zur individuellen Seelenreise, vom Psychothriller bis zur Satire. Puzzlespielartig durchsetzt sie Reales mit Phantastischem, erfindet sie Zerrspiegel, über die der Leser surreale, rätselhafte Momente als Normalität erlebt.
Ihre Erzählungen bleiben nie allgemein, vielmehr versucht sie den Abwegen und der  Zwiespältigkeit von Gefühlen zu folgen. Ronnith Neumanns Geschichten ähneln nicht selten Visionen, in denen sich auf subtile Weise Unheilvolles und Abgründiges einnistet.“
Neue Westfälische vom 27. Februar 1997

„Die Autorin, der man neben Sprach- und Themenvielfalt auch eine exzellente Vortragsweise bescheinigt, zeigt in ihren Erzählungen die ganze Bandbreite ihrer schriftstellerischen Arbeit, die von kritischer Science-Fiction über Phantasie, Schauer- oder Gespenstergeschichten bis hin zum Satirischen reicht.“
West-Ost-Journal, Nr. 2, April – Juni 1997

„Ein neuer Ton, der auf die nächsten Geschichten neugierig macht, eine Art des Vorlesens, die eher an szenische Gestaltung erinnert und das Zuhören zum reinen Vergnügen werden ließ. So könnte es bei der ‚Literaturwoche‘ weitergehen!“
Dr. Heinz Linduschka anlässlich der ‚Literaturwoche im BuntSteinBogenHaus‘, Obernburg.  ME vom 31. Oktober 1997

„Die Erzählungen Ronnith Neumanns bestechen durch klare, prägnante Sprache, kräftige Bilder und überzeugenden Aufbau. Sie wirken beklemmend und machen betroffen.“
Schwarzwälder Bote, Februar 1998

„Es fängt ganz harmlos an, ganz normal: Eine Frau zieht ihr kleines Schwarzes an, sie ist eingeladen wie neuerdings jeden Sonntag und dieses Mal wird sie hingehen. Erst allmählich enthüllt der innere Monolog der Frau eine ganz und gar verkümmerte  und vereinsamte Existenz. Fast lakonisch wird das erzählt und entwickelt, immer aus der Innensicht der Frau heraus – bis zur tödlichen Katastrophe. Ein von außen betrachtet scheinbar normales Leben, eine Frau, die einen Beruf ausübt, für sich sorgen kann, trägt den Keim einer Katastrophe in sich.
Diese Titelgeschichte aus dem Erzählband ‚Ein stürmischer Sonntag‘ ist für Ronnith Neumanns Prosa typisch: In den scheinbar normalen Bezirken des Alltagslebens vollziehen sich die Dramen mit existentieller, emotionaler und zerstörerischer Wucht.
Wenn man einige Erzählungen der Autorin gelesen hat, weiß man, dass nichts so einbödig weitergeht, wie es begonnen hat. Man wappnet sich für die Kehrseiten und Abseiten, man wartet auf die entscheidenden Worte, Gefühle, Handlungen und Hinweise, die die sichtbare, oft banale Realität unterwandern und zusammenbrechen lassen. Ohne zu psychologisieren, vielmehr aus der Dynamik der Situation und der jeweiligen Person umreißt sie sehr genau den Sprengstoff menschlicher Gefühle, Ängste, Wünsche und Aggressionen. Dabei scheut sie vor drastischen stilistischen Mitteln und äußerst zugespitzten Situationen nicht zurück, wenn es denn der Wahrheitsfindung dient.
Manchmal gleiten die Geschichten ins Irreale, Unheimliche, so z.B. in ‚Die Totenmaske‘, manchmal ins Skurril-Satirische wie in ‚Die seltsame Geschichte der Maria Fernanda Soarez‘ – die Geschichte einer ‚gewissen‘ Metamorphose. Das ist komisch und mit leichter Hand geschrieben und wirft ein Licht auf die Vielseitigkeit der Autorin.“
Frauke Dettmer, Der Literat, September 1998