Die Tür

„Ronnith Neumann las neue, noch unveröffentlichte Prosatexte. Wer ihre Entwicklung beobachtet hat, kann eine erstaunliche Steigerung feststellen. Ihre Texte über Frauenthemen und die Kurzprosa über die Situation eines Gefangenen verfügen über eine neu erworbene Präzision und Konzentration.  Die klare, zugreifende Sprache ermöglicht es auch bei komplizierten Texten, eine Identifikation des Lesers / Hörers mit der erlebenden Person zu erzielen.“
Wolfgang Brosche, Neue Westfälische vom 10. November 1986

„Für ihre Erzählung ‚Die Tür‘ erhielt Ronnith Neumann den Hamburger Literaturpreis für Kurzprosa. Sie schildert darin einfühlsam und mit großer Intensität das Schicksal ihrer jüdischen Großmutter.
In der Geschichte ‚Das Brot‘ berichtet die Autorin minuziös über das langsame Sterben ihrer anderen Großmutter, die im Krieg von Granatsplittern getroffen wurde. In bedrückenden Szenen beschreibt sie mit einer Erzählkraft, die unter die Haut geht, die beklemmende Bombennacht in einem Bunker.“
Dorit Krieger im Hamburger Abendblatt vom 14. Mai 1987

„Ronnith Neumanns Arbeiten sind stark geprägt von der Geschichte ihrer Familie, ihrer eigenen Geschichte und der ihres Volkes. Die Kurzprosa, die Gedichte und Erzählungen geben das Leiden und den Kampf ums Überleben so eindrücklich wider, dass man kaum fassen kann, dass Ronnith Neumann diese Zeit nicht mehr selbst miterlebt hat. Doch sie schaut nicht nur zurück, Krieg und Frieden, Flüchtlingselend, Heimatlosigkeit, Hoffnung und Verzweiflung sind für sie überall, und sie beschreibt nicht nur, was sie sieht, sie erfühlt Situationen und macht es dem Zuhörer  möglich, nachzuvollziehen und mitzufühlen.“
Neue Westfälische vom 1. Juli 1987 

„Ronnith Neumanns Texte sind Auslöser, sie reißen aus der Teilnahmslosigkeit und helfen das Bewusstsein zu öffnen. Einen besseren Boden kann es als Basis für die Aussaat neuer Denkanstöße nicht geben.“
Heimat Echo, Nr.20 vom 13. Mai 1987

„Haben mich an ‚Nirs Stadt‘ vor allem die Behandlung des Themas mit der gelungenen Darstellung der ambivalenten Beziehungen zwischen den Häftlingen und ihren Aufsehern, der Aufbau der Handlung und die dichte Sprache fasziniert, so ist es in ‚Die Tür‘ vor allem das soziale Engagement der Autorin, das in den Erzählungen zum Ausdruck kommt.
Für beide Bücher gilt, dass Ronnith Neumann nicht ‚vorbeiguckt‘, nicht verdrängt oder beschönigt – wie sie ihr Thema vor dem Leser ausbreitet, lässt einen nicht mehr los.“
Ruth Ottmann in „Buchtipp der Woche“,  Buchreport, Nr. 51,  16. Dezember 1992

„Ihre Geschichten erzählen von dem Eingeschlossen sein im eigenen Körper, von sozialer Abhängigkeit, Diskriminierung und Ungleichheit und von politischer Unterdrückung. Ihr Erzählstil: Zutiefst tragische oder dramatische Elemente des menschlichen Daseins, verpackt in einer Tragikomik und ohne Pathos und falsche Sentimentalität dargestellt.“
Lippische Rundschau vom 3. Dezember 1992

„Die Begegnung mit sich selbst, mit der eigenen Vergangenheit und Zukunft, die Zerbrochenheit der Persönlichkeit in viele verschiedene ‚Ichs‘  ist  das Thema, das sich wie ein roter Faden durch Ronnith Neumanns Erzählungen zieht. Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft aushalten, ohne daran zu zerbrechen – eine ständige Gratwanderung.“
Lippische Landeszeitung vom 3. Dezember 1992

„So gewinnen ihre Geschichten einen besonderen Spannungsbogen. Versprühen in einer einfühlsamen Sprache viel Emotion, lösen Mitgefühl aus, lassen das Innenleben der Protagonisten intensiv nachempfinden. Ein Hineingleiten in ihre Figuren erlaubt der in Israel geborenen Schriftstellerin einen sensiblen Sprachgebrauch, der einfühlsam und empathisch ist. Fast visuell erscheinen die sprachlichen Bilder.“
Hella Kemper, Neue Westfälische, Nr. 17 vom 21. Januar 1993

„Die in Israel geborene Autorin Ronnith Neumann las in der AMS-Galerie aus ihrem Erzählband ‚Die Tür‘. Vier einfühlsame Geschichten über politische Unterdrückung, Wandel und Vergänglichkeit bewegten das Publikum, regten zu Diskussionen an und machten den Abend zu einer literarischen Kostbarkeit.“
Der Literat, März 1993

„Das, was Ronnith Neumann und Mathias Körner boten, war Literatur vom Feinsten. Besonders Ronnith Neumanns Erzählung ‚Der Clown‘, in der sie mit klaren Worten und knappen Sätzen eine grausig-erschütternde Szene aus einem Konzentrationslager beschrieb, schnürte den Zuhörern die Kehle zu.“
WAZ  anlässlich der  literarischen Matinee im Filmforum, Bottrop, 24. April 1993

„Mit leiser Stimme, ohne Pathos und falsche Sentimentalität – und das ist zugleich die Stärke dieser eindringlichen Geschichten – erzählt Ronnith Neumann von der existenziellen Angst des einzelnen, greift sie zutiefst tragische oder dramatische Momente menschlichen Daseins auf.
In all den kleinen alltäglichen Tragödien, die keine zeitlichen oder geografischen Grenzen kennen – immer ist es der individuelle und sehr einsame Kampf, der im Vordergrund steht. Ein ernstes Buch, das trotz allem auch die Tragikomik, die alles Menschliche dann und wann begleitet, nicht ausspart.“
NDR-Zeitung, Buchtipp, September 1993

„Atemlose Stille herrschte bei Ronnith Neumanns auch phonetisch einwandfreiem Vortrag. Sie zog das Publikum mit einer Erzählung über die letzten Gedanken und Gefühle eines zum Tode verurteilten Mannes in ihren Bann.“
Susanne v. Szeredi, NRZ Düsseldorf, zur Autorenlesung im „Schnabelewobski“, 22. 1. 1994

„Ronnith Neumann erwies sich nicht nur als sprachgewaltige Schriftstellerin, sie verstand es auch, ihre Arbeit optimal vorzulesen, ja, eigentlich vorzutragen. Die Geschichte (‚Häutung‘) von der Tochter des Naziverbrechers zog die Zuhörer nicht nur wegen des ernsten Themas in den Bann. Neumann verfügt über eine Ausdrucksfähigkeit und einen Sprachstil, die einen von der ersten bis zur letzten Sekunde fesseln.“
Lippische Landeszeitung zur Lesung in der Detmolder Stadtbücherei, 25. Januar 1994

 

„Dass die Autorin im Vortragen von Erzählungen geschult ist, bemerkten die Zuhörer gleich bei dem ersten Werk. Mit viel Ausdruckskraft las sie die Titelgeschichte aus ‚Die Tür‘.“
Herforder Kreisblatt zur Lesung in der Stadtbibliothek Herford, 10. November 1994

 

„Mit ihren aufwühlenden Geschichten macht Ronnith Neumann der Bedeutung ihres Vornamens alle Ehre. Wie ein ‚Strahl‘ wirkt sie, ins Dunkle leuchtend, erleuchtend, erhellend, aber auch eindringlich wie ein Pfeil, spitz und scharf, alles auf den Punkt bringend, aufs Wesentliche konzentriert.“
Carmen-Sylvia Völzow, Neue Westfälische vom 10. November 1994

„Ronnith Neumann verfasst ihre Erzählungen nicht am Schreibtisch. Ihre kreativen Arbeitsplätze sind Kaffeehäuser, winterliche griechische Inseln oder einsame Küsten. So hören sich ihre Geschichten dann auch an. Voll von Psychologie und Skizzen vergessener Schicksale, zeugen sie von einer akribischen Beobachtungsgabe und enormer Fantasiekraft.
Ronnith Neumann bot in der Lüdenscheider Stadtbücherei eine imponierende Lesung. Die Texte bewiesen die Vielseitigkeit einer Autorin, die etwas zu sagen hat.“
Lüdenscheider Nachrichten, 12. / 13. November 1994

„In einem präzisen Kurzsatzstil, mit harten Dialogen skizziert Neumann Momente des Verlustes, des Chaos; meist stehen Ausgegrenzte im Mittelpunkt, Blinde oder ein vereinsamtes Mütterchen. Und immer wieder die Opfer des Holocaust.“
Basil Wegener, Schwäbisches Tageblatt zur Lesung im LTT Tübingen, 7. Mai 1997

„In den wachsenden Aggressionen, den Übergriffen auf Ausländer, Behinderte und Andersgläubige sieht die 49jährige eine unheilvolle Fortsetzung der Geschichte.
Die Suche aus der Ausweglosigkeit, nach der befreienden Tür, die manchmal nur noch nach innen geöffnet werden kann, ist ein zentrales Motiv in der Belletristik der Autorin.“
Schleswig-Holsteinische Landeszeitung, Juni 1997 

„Seitdem Ronnith Neumann eine Art Heimat in der deutschen Sprache gefunden hatte, konnte sie das, was ihr geschärfter Blick wahrnahm, mit ihrer Prosa, ihren Gedichten und Theaterstücken ausdrücken. So gehört ihre ganz spezifische Stimme zum vielstimmigen Chor ihrer Generation, neben der Barbara Honigmanns etwa oder Lea Fleischmanns, Henryk Broders oder Maxim Billers, Irene Disches, Raffael Seligmanns oder Chaim Herzogs.“

Frauke Dettmer, Der Literat, September 1998